Energie

Fakten, Gefühle und Fehlinformationen…

By 5. Juli 2022 No Comments

Warum der Bürgerentscheid für Freigericht wichtig ist!

Am Sonntag, 10.7. können die Freigerichter*innen darüber abstimmen, ob Untersuchungen und Planungen für mögliche Windräder im Neuseser Wald weiter vorgenommen werden können. Auf den Plakaten der Gegner heißt das allerdings „Windräder verhindern“ (da steht ganz unverhohlen, worum es geht). Lassen Sie sich nicht in die Irre führen, und lassen Sie sich nicht von oft wiederholten Fehlinformationen täuschen: am 10.7. wird noch nicht endgültig über den Bau von Windrädern entschieden, das ist noch ein langer Prozess.

Ich finde ja, dass die Windrad-Gegner komplett falsch liegen, aber es liegt mir nichts daran, sie persönlich anzugreifen. Daher kann ich auch nicht verstehen, warum von Seiten der Gegner immer wieder von „betuchten Befürwortern“ gesprochen wird, als ob z.B. Gemeindevertreter*innen, die für die Planungen gestimmt haben, alle „betucht “ seien oder finanzelle Vorteile hätten. Das ist keineswegs so. Es ist übrigens möglich, Windräder durch eine Genossenschaft zu bauen, bei der schon ab 1000,- Euro eine Einlage für jeden möglich ist, und so kann jeder einen Teil des Gewinns mitnehmen. Es ist allerdings auch gut möglich, dass PV-Anlagen auf privaten Äckern von privaten Investoren gebaut werden, die die Gewinne dann allein einstreichen – und die Freigerichter haben gar nichts davon.

Auch nicht verstehen kann ich, warum hier immer wieder von „Windindustrieanlagen“ geredet wird, als ob demnächst 4 Staudinger-Kraftwerke dort oben stehen würden. Windräder sind hoch und ein Eingriff in die Natur sind sie auch, aber man kann doch nicht ernsthaft solche Ängste schüren. Mir würde es Angst machen, wenn ein Atomkraftwerk in unserer Nähe gebaut werden sollte, z.B. in Kahl (ja, da gab es tatsächlich mal eins!).

Insgesamt wird in diesem Wahlkampf viel mit diffusen Ängsten und unbelegten Behauptungen gearbeitet. An dieser Stelle möchte ich daher einige Fakten, die insbesondere von CDU, GfF und DF immer wieder verdreht werden, richtig stellen:

  • Alle scheinen zu wissen, dass wir dem Klimawandel mit dem Ausbau erneuerbarer Energien begegnen müssen. Aber wer dies allein mit Photovoltaik und Biogas tun möchte belügt die Menschen. Photovoltaik liefert im Winter wenig und nachts keinen Strom. Für den Betrieb einer Biogas-Anlage bräuchten wir haufenweise Äcker, die mit Energiepflanzen wie Mais bepflanzt werden, das ist kompletter Unsinn. Es ist auch falsch, dass nur Strom von Photovoltaikanlagen gespeichert werden könne, der von Windrädern dagegen nicht. Fakt ist, dass Windräder im Winter mehr Strom liefern und bei Wind natürlich auch nachts, so dass beide Technologien benötigt werden.
  • Es wird behauptet, von den Einnahmen für Windstrom würden die Freigerichter nicht profitieren, von den Einnahmen für Solarstrom hätten sie aber eine Kostenersparnis von 20% pro Jahr. Das ist falsch. Wenn Windräder von einer Genossenschaft gebaut werden, kann jede und jeder profitieren, und zwar schon ab einer Einlage von 1000,- Euro. Wenn private Unternehmen dagegen PV-Anlagen auf Äcker bauen, werden sie ihren Strom natürlich gewinnbringend verkaufen und die Freigerichter sparen dann gar nichts. Am besten wäre es daher, die PV-Anlagen auf allen Hausdächern zu bauen, denn dort könnten sie sofort errichtet werden und der Gewinn bleibt direkt bei den Menschen (und der Strompreis wird für alle günstiger sein). Von den Einnahmen der Windräder kann die Gemeinde (weil diese auf gemeindeeigenen Flächen errichtet werden können) z.B. weiterhin ein Hallenbad betreiben oder günstige Kita-Plätze anbieten.
  • Es hilft niemand, wenn mit dem Finger auf Andere gezeigt wird (im Taunus gibt es keine Windräder etc.) – Es werden Windräder auf ca. 2% der Landesfläche von Hessen benötigt, und die Vorrangflächen dafür sind festgelegt (andere Flächen wird es nicht geben). Darüber gilt es hier zu entscheiden, und nicht darüber ob überall gleich viele Windräder stehen. In Frankfurt z.B. wird es verständlicherweise keine Windräder geben, obwohl dort ein erheblicher Teil der hessischen Bevölkerung lebt.
  • Ob es tatsächlich genug Wind in dem Bereich der Planflächen gibt wird erst noch konkret untersucht. Gibt es zu wenig, wird vermutlich niemand Windräder dort bauen. Ich kenne niemand, der geplant defizitäre Anlagen baut.
  • Sind 4 Windräder ein massiver Eingriff in den gesunden Waldbestand? Ich meine, die Waldflächen, die durch die Folgen des Klimawandels sterben, sind schon heute größer. Man denke an die Rodung im Gänsewald, und das ist erst der Anfang.
  • CDU und GfF haben kürzlich einen Flyer verteilt, der leider von Fehlern strotzt. Die dort angegebenen Zahlen zur Stromproduktion mit Photovoltaik sind grob falsch. Es gibt auf diesem Papier so viele Fehler, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Eine Überversorgung Freigerichts von 150% mit Strom, wie sie dort errechnet wird, ist jedenfalls illusorisch. Es sei denn, CDU und GfF wollen eine gigantische Industrie-Biogas-Anlage in Freigericht errichten, wo aus halb Hessen Material angeliefert wird, und dazu noch erhebliche Ackerflächen mit Photovoltaik belegen.
  • Es wird der Eindruck erweckt, als ob hier ein wissenschaftlich untermauerter Text auf dem Flyer von CDU und GfF vorliege – aber wie so oft gibt es eine Schieflage. Es werden Untersuchungen zitiert, die allein auf weiter Flur stehen (oder vielleicht noch von der Springer-Presse wie WELT wiedergegeben werden), dagegen gibt es aber etliche Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen. Lassen Sie sich nicht in die Irre führen!
  • Thema Artenschutz: der immer wieder angeführte Rotmilan jagt über dem freien Feld, Windräder im Wald sind für ihn keine Gefahr. Aber über den Artenschutz müssen wir uns nicht allzu viele Gedanken machen, wenn wir weiter so eifrig Kohle, Gas und Öl verbrennen. Außerdem kommen wesentlich mehr Vögel durch den Verkehr und weitere Risiken um.
  • Ja, für Windräder müssen Bäume fallen. Die werden teils vor Ort, teils andernorts wieder gepflanzt. Aber es handelt sich um nicht einmal 4 Hektar (von rund 1200 Hektar Gemeindewald). Ich frage mich, wie viele der Windkraftgegner regelmäßig im Hambacher Forst für den Erhalt des Waldes demonstrieren, der dort für die Kohleförderung gerodet wird. Dabei handelt es sich um weit mehr als 4 Hektar.

Angesichts der immer häufigeren Katastrophen wie Überschwemmungen, Stürme, extreme Trockenheit und in der Folge Wasserknappheit und Waldsterben, rate ich dringend dazu, jetzt den Weg für Planungen und Untersuchungen zu Windrädern frei zu machen. Eine Entscheidung, ob welche gebaut werden, ist damit noch längst nicht getroffen. Deshalb bitte ich Sie: gehen Sie am Sonntag zum Bürgerentscheid und stimmen Sie mit NEIN!